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 Wenn das Stillen eingestellt wird

Wenn das Stillen eingestellt wird
CC by ford

Heute ist bekannt geworden, dass das wohl bedeutendste westliche Exportprodukt neben CocaCola sich aus dem krisengebeutelten Island zurückzieht: McDonalds wird sein Engagement im Inselstaat aufgeben. Welch symbolischer Schritt!

Viele Isländer sind verunsichert, denn mit dem gelben M steckte der Westen in den letzten Jahren seine Claims ab und damit verband sich das Versprechen auf den Wohlstand. Dass die Expansion der Fastfoodkette einmal unterbrochen werden könnte oder ein zukünftiges Engagement in einem Land ausgeschlossen wird, war bis heute undenkbar und die Krise erhält eine neue Dimension.

Island traf es in der Wirtschaftskrise besonders hart. Es drohte sogar der Staatsbankrott. Der komplette Bankensektor wurde verstaatlicht und die heimische Währung verlor zwischenzeitlich massiv an Wert. Nun ist der Euro aber weitgehend stabil geblieben und McDonalds-Island importieren ihre Zutaten aus Deutschland. Diese Verteuerung ist für das Unternehmen nicht mehr tragbar, weshalb es die Konsequenzen zieht. Der BigMac kostete am Ende 3,80 Euro.

Wer hätte es gedacht? M, das eigentlich ein heimliches W wie Westen ist, sieht die Notwendigkeit, einen erschlossenen Markt aufzugeben. Es ist nicht so, dass McDonalds in Island einen wichtigen Markt verliert. Drei Filialen gibt es auf der Insel mit gerade mal 300.000 Einwohnern. Die Symbolik wiegt schwerer. An dieser Stelle zeigt sich nämlich, dass mit der Wirtschaftskrise auch eine Krise westlicher Werte heraufgezogen ist und Island zum Symptom für eine ganze Weltanschauung gereichen könnte.

Einmal vom Tellerwäscher zum Millionär – Island war auch ein Paradebeispiel dieses Traums vom Wohlstand. Dass diese Buchung auch gleich einen Rückfahrschein beinhaltet, bekommen die Isländer jetzt zu spüren. Das schnelle Wachstum in den letzten Jahren wurde vorwiegend durch die lockere Finanzmarktpolitik der liberalen Unabhängigkeitspartei unter Davíð Oddsson ermöglicht, den die Bürger Islands nach langen Protesten aus dem Amt jagten. Heute muss Island mit Inflation und hoher Staatsverschuldung kämpfen.

Sind das die Trümmer eines “Höher, Schneller, Weiter”? Können wir uns sicher sein, dass wir mit dieser Achterbahn auch irgendwo ankommen oder sie doch eher einer Abschussrampe gleicht? Im Klartext stellt sich doch die Frage, wie real der Wohlstand eigentlich ist?

Wenn all das auf einem System der virtuellen Wertgenerierung basiert, welches sich erwiesener Maßen nur aus Blasen ernähren kann, und die heimischen Industrien am Boden liegen (siehe Opel) – Island hat nur die Fischerei; wenn das alles der Fall ist, stellt sich doch die Frage, wovon dieser Traum eigentlich handelte?

Vielleicht davon, dass wir es niemals wagen müssen, diese Fragen zu stellen…

geschrieben am 27.10.2009 um 22:23 in Kultur, Politik, Wirtschaft von Tim · RSS 2.0 feed.
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6 Responses to “Wenn das Stillen eingestellt wird”

  1. Paul sagt:
    28. Oktober 2009 um 19:07

    Und was soll der gemeine Isländer jetzt bitteschön essen?
    Ein ratloser
    Paul

  2. Tim sagt:
    28. Oktober 2009 um 20:55

    Fish ;)

  3. Frank Benedikt sagt:
    6. November 2009 um 18:28

    Lieber Tim,

    das ist m.E. jetzt aber kein Zeichen der Wirtschaftskrise oder eines Einbruchs von McD. Wie mehrfach in der Presse zu lesen war, handelt es sich hier vor allem um das Problem der gestiegenen Kosten für die (Import-)Zutaten. Über die Zwiebeln bspw. sagte der lokale Franchisenehmer, der alle drei Lokale betrieb, daß ihn ein Kilo genauso viel kosten würde wie eine Flasche guter Whisky.

    Was es aber imho schon zeigt ist, daß die Globalisierung zunehmend zu Verwerfungen führt und Dellen bekommt.

    Beste Grüße
    Frank

  4. Tim sagt:
    7. November 2009 um 01:30

    Freue mich, dass der Nachbar auch einmal wieder vorbei geschaut hat.
    Nun, ich denke schon, dass hier die Krise dahinter steckt. Die isländischen Banken haben ordentlich im amerikanischen Immobiliengeschäft mitgemischt. Dh sie haben gut Gewinne gewittert, die nun mit dem Platzen der Blase verpufften. Dadurch haben sie ihre Kreditwürdigkeit verloren. Sie können selber also auch keine Kredite mehr vergeben(Kreditklemme). Dh wiederum, dass ausländische Banken ihre Investments aus dem isländischen Bankensektor ziehen und in andere Währungen wechseln. Auch die isl. Unternehmen holen sich jetzt woanders ihre Kohlen. Die isl. Krone fällt also im Wert.
    Will man nun aus dem Euro-Raum importieren muss man eben viel mehr isl. Kronen aufbringen, weil der Euro jetzt im Verhältnis viel teurer ist.
    McDonalds ist tatsächlich ein gesundes Unternehmen – ihm wurde Hahn zugedreht.

    Im letzten Punkt stimme ich dir gerade deswegen uneingeschränkt zu.

    Grüße Tim

  5. Frank Benedikt sagt:
    11. November 2009 um 21:59

    Klar ist das Währungsverhältnis für die Isländer wohl zunehmend ungünstiger geworden (hast Du da übrigens Zahlen parat?), aber die eigentliche Frage bei dem Thema hier ist ja für mich die: kann man nun Zwiebeln auf Island züchten oder nicht? *g* Auch wenn die Zutaten bei McD natürlich standardisiert und normiert sind – würden es preiswertere Zwiebeln aus Island nicht auch tun?

    Ich wollte in jüngeren Jahren ja eh dort meinen Lebensabend verbringen und bin an einer neuen Karriere als Zwiebelfarmer durchaus interessiert :-)

    Beste Grüße
    Frank

    P.s.: Hatte Dich angemailt – hast Du nix bekommen?

  6. Tim sagt:
    12. November 2009 um 09:23

    Ja, ok jetzt sehe ich deinen Punkt. Natürlich hätte McDonalds die Möglichkeit, auf dem einheimischen Markt einzukaufen. Scheint aber ne Marktlücke zu sein ;) Die Isländer lassen sich auch nicht lumpen und wollen die drei leerstehenden Filialen auch künftig mit einheimischer Ware bewirtschaften. Das heißt dann aber nicht mehr McDonalds. Aber hier liegt auch das Problem des Standorts. Island ist zu klein, als dass es sich für McDonalds lohnt ihr Zeug dort herzustellen. Für die paar Läden werden Nahrungsmittel und Verpackungsmaterial eben schneller und günstiger importiert. Wahrscheinlich auch der Grund, weshalb man ein künftiges Engagement ausschließt.
    So dann zu isländischen Krone. Sie hat über den Zeitrum von einem Jahr gegenüber dem Euro rund 30% an Wert verloren, was schon kein Pappenstiel mehr ist. Hier kann man sich mal die Kursachtabahn angucken.
    Also wenn du nicht gleich nen Weltkonzern auf die Beine stellen willst, sollte deinem Traum als Zwiebelfarmer eigentlich nix im Wege stehen(na ja, bis auf Kredit vielleicht ;) )

    Grüße Tim

    Ps: Hab nichts bekommen

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