Gehorche keinem
Im beschaulichen Münster kocht zZt. eine nette kleine Debatte hoch. Groß und unverschnörkelt prangen rote Lettern an der Universitätsbibliothek. “Gehorche keinem”, so der gotteslästernde, anarchistische Affront. Zumindest wird er von einigen Münsteranern so verstanden. Knapp die Hälfte der Einwohner zählt sich zum katholischen Glauben und da ist es nicht verwunderlich, dass der ein oder andere genau zu wissen scheint, wem er zu gehorchen hat.
In den 60 jubelnden Jahren der Bundesrepublik, die derzeit um so jubelnder gefeiert werden, hat man sich in dem westfälischen Städtchen auch erst einmal aus dem konservativen Lager gewagt und hat mit Marion Tüns die erste Frau und SPD-Anhängerin zur Oberbürgermeisterin gewählt. Dass bei einer derart verlässlichen demokratischen Tradition bei einigen alle Alarmglocken läuten, ist nicht verwunderlich, wenn doch das pure anarchistische Chaos von den Wänden in die Köpfe der Studenten gepflegt wird. “Gehorche keinem”, na so etwas.
Also was steckt dahinter? Der Bonner Künstler Babal Saed hat diesen Spruch für die Universität entworfen. Damit lag ihm nicht daran, Münster zu einer umstürzlerischen Zelle werden zu lassen. Vielmehr soll der Spruch die Studenten auffordern möglichst unabhängig ihr Studium zu gestalten und frei zu forschen. Ein Grundsatz der leider immer kürzer kommt, wie in Wien zZt. eindrucksvoll bemängelt wird. Der Bologna-Prozess steht dem Anliegen Saeds weitgehend entgegen. Und die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen, beeinflusst immer stärker die Studienwahl.
Gehorchen ist immer eine Zwangssituation und ist auch nicht mit demokratischen Grundsätzen vereinbar. Denn diese sind Kompromisse im gegenseitigen Einvernehmen.
geschrieben am 29.10.2009 um 20:07 in Kultur, Politik, Wirtschaft von Tim · RSS 2.0 feed.
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Die Gattung der konservativen Mimosen schlägt wieder zu
Dass der gemeine Konservative (
)aber auch immer gleich Bomben und Chaos vermutet, wo sich ein ernstes und wichtiges Anliegen seinen Weg an die Öffentlichkeit bahnt. Die Grenzen in den Köpfen scheinen unüberwindbar und verschlossen für Neues.