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 ohrenbetäubendes Schweigen

Schreiben, ja schreiben; Inhalt und Form zu einer ästhetischen Entität verweben, das ist es, was mir und vielen anderen ein Bedürfnis ist. Allein die Sprachlosigkeit macht uns mürbe. Was soll man auch schreiben oder erzählen? Es ist doch schon alles gesagt, alles und sein Gegenteil.

Der einst so ruhmreiche Begriff der Wahrheit ist obsolet geworden, ward verdrängt von der Perspektive, die doch nicht so heißen darf (ähnlich wie manch kriegsähnlicher Zustand heutzutage).

Jeder Schauplatz, an dem Meinungen aufeinander treffen, ist heut dazu verdammt eine Kampfarena der Dogmen zu werden, wo doch der einzige Sieger stets die Wettmafia bleibt. Ist es daher nicht ratsam still zu schweigen, anstatt sich einzureihen, in die Flut der Wiederkäuer hohler Phrasen? Stillschweigen, anstatt das Karussell der Verwirrung, ja, der Verlorenheit mit immer neuem Schwung zu versorgen?

Die Zentrifuge der Informationen schleudert dich quer durch die Welt der Ansichten – so du kein Dogma hast, das dich zu halten vermag. Und wie bei einer Zentrifuge üblich, wird der, der einmal die Mitte aus dem Auge verliert, ganz schnell bewegungsunfähig mit dem Rücken an die Wand, den Rand des Meinungshorizontes, gepresst und der Willkür des Zuckerwatteverkäufers ausgeliefert.

Wen braucht es da noch ernsthaft wundern, dass sich der Einzelne den Mantel der Wortlosigkeit nur allzu bereitwillig überstreift?

Der Wühltisch der Meinungen ist maßlos überfüllt und eben jene Überfülle sorgt auch zwangsläufig für Überforderung – so zumindest eine gängige Meinung. Diese geht oftmals auch mit solch rhetorischen Leuchtfeuern einher, wie: „Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben”. Ein glatter Widerspruch, wie er doch ebenso zwangsläufig ist, im Überangebot der Meinungen, in dem man sich zuerst entscheiden muss bevor man denken kann. Denn würde man zuerst denken, man könnte sich nie mehr entscheiden.

Wohin will ich mit diesem Zirkelschluss, der so recht doch keiner ist? Vielleicht zeigt dieser kleine Ausflug nur, dass es an Zielen, heißt (Zukunfts-)Perspektiven mangelt. Und wo immer ein Mangel, da ist auch der Kompensationsversuch nicht weit, der sich im Widerstreit der Individuen respektive ihrer Perspektiven vergegenwärtigt. Letztendlich ein Musterbeispiel für den neu-kanzler(in)schen Begriff vom „auseinanderdividieren“, der gerade in Europa Hochkonjunktur zu haben scheint.

Alles in allem ein Ironie, wie sie nur mit allzu viel Rauschmitteln erträglich zu gestalten ist. Aber immerhin hat dieser sinnfreie Exzess der Wortklauberei auf den ersten Blick eine Art Aussage erhalten und für mehr muss es heutzutage nicht mehr taugen.

geschrieben am 09.01.2010 um 11:37 in Angedacht, Kultur von Heinz Mueller · RSS 2.0 feed.
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