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Archive for the ‘Wirtschaft’ Category

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Der Datenfluch

Freitag, März 2nd, 2012

Auf der Suche nach aussagekräftigem Datenmaterial, ist es um den Nahen Osten schlecht bestellt. Oft kommen die offiziellen Statistiken aus den jeweiligen Staatsministerien, sodass man die Zuverlässigkeit der Zahlen schwer bestimmen kann oder sie decken nur kurze Zeiträume ab, die sich kaum für Trendbestimmung eignen, da sie von kleineren Forschungseinrichtungen erhoben wurden. Mit Zahlen lässt sich heute allerhand Politik machen und daher sollte man ohnehin eine gesunde Skepsis mitbringen.

Wenn man sich nun mit den Gründen für die Aufstände in Ägypten befasst, dann verraten die offiziellen Zahlen im Allgemeinen kaum ökonomische Probleme. Sicherlich hat Ägypten ein umfangreiches Staatsdefizit angehäuft und die Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen mit guter Ausbildung ist relativ hoch gewesen. Trotzdem zeigt die Statistik seit den Wirtschaftsreformen 2004 starke Wachstumszahlen und positive Trends in den Beschäftigtenzahlen. Was war es denn dann, was die Ägypter aller Alterskohorten(!) auf die Straßen trieb, was im Vorfeld der Januar-Ereignisse vom letzten Jahr, zu massenhaften Streiks geführt hat?

Sicherlich saß Hosni Mubarak schon zu lang im Sattle und der Eindruck, dass die Wahlen 2010 im großen Stil manipuliert worden waren, dürfte das Ressentiment verstärkt haben. Man muss sich aber doch fragen, warum die Machteliten dort und woanders (mit Blick auf die kommenden Wahlen in Putins Russland) überhaupt den Aufwand der Wahlmanipulation betreiben?!

Aber noch mal einen Schritt zurück! Zahlen sind Abstraktionen, die einen hohen Grad an Anschaulichkeit bieten. Sie strahlen allerdings in unseren technologischen Zeiten mehr Autorität aus, als sie oft tatsächlich besitzen und können im Endeffekt zur Verschleierung der Wirklichkeit dienen.

Will man also herausfinden, wie es in Ägypten tatsächlich um den Wohlstand bestellt ist, dann kann es hilfreich sein, einen statistischen Umweg zu wählen. Im aktuellen International Food Policy Report wird dafür vorgeschlagen, sich die Ernährungssituation der Unter-fünfjährigen anzusehen. Die wird zwar auch von staatliche Stelle erhoben, die Bewertung der Messergebnisse ist aber universell von der World Healt Organisation genormt. Wie so oft zeigt sich die Qualität der Versorgungssituation innerhalb einer Gruppe oder in diesem Fall eines Landes an der Versorgungsqualität der schwächsten Mitglieder. Ich habe also die Messergebnisse in einer kleinen Grafik zusammengefasst und das Ergebnis ist erstaunlich.

Etwa 10% aller Unter-fünfjährigen sind untergewichtig bist stark untergewichtig (lebensbedrohlich). Außerdem scheint dieser Wert seit zehn Jahren nicht mehr unter den Stand von 2000 zurückgekehrt zu sein und hat bis 2008 stark zugenommen. Die Entwicklungshemmung bei Kindern lässt auf schlechte Ernährung und den schlechten Zugang zu entsprechenden Nahrungsmitteln schließen. Leider habe ich keine aktuelleren Daten auf die Schnelle gefunden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die ökonomische Situation kann also keineswegs für die Erklärung der Aufstände ausgeschlossen werden, auch wenn diese Zahlen nur ein erster Anhaltspunkt sind.

Nachtrag: Noch deutlicher und aussagekräftiger ist die Entwicklung der Körpergröße bei Kindern unter fünf Jahren. Da sich Unterernährung oft in Wachstumshemmungen äußert und das Körpergewicht viel eher schwanken kann, liefert ersteres über die Verbreitung von Armut zuverlässigere Aussagen. In Ägypten betrafen 2008 das Missverhältnis von Größe zum Alter etwa 20% der unter fünf-jährigen Kinder.

Tags:Ägypten, Ernährung, International Food Policy Report, Ökonomie, Statistik, Unterernährung, WHO
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Neuer Anlauf

Donnerstag, März 1st, 2012

Nachdem es hier ein Weile still geworden war, werde ich einen neuen Anlauf wagen. Mir ist das Prinzip des politischen bloggens nie ganz klar geworden. Die ritterliche Aufgabe Gegenöffentlichkeiten aufzubauen, in allen Ehren. Aber die Nachrichtenlage ständig zu spiegeln, hat mich nie gereizt. So habe ich bald wieder die Lust an dieser kleinen Seite verloren, bis ich mich heute wieder an sie erinnerte.

Gegenwärtig bin ich dabei eine Hausarbeit für die Uni über die soziökonomischen Hintergründe für die Aufstände im Nahen Osten zu konzipieren. Der Fokus wird dabei auf Ägypten liegen. Die Idee ist, hier die Arbeit zu dokumentieren. Das hat vor allem den persönlichen Vorteil, dass ich meine Gedanken dazu besser in Ordnung bringen kann und möglicherweise den öffentlichen Vorteil, diesen Prozess kritisch und erkenntnisreich mitverfolgen zu können.

Da ich bekennender Statistikmuffel bin und diese Baustelle endlich angehen will, hoffe ich, hier den ein oder andere numerischen Leckerbissen präsentieren zu können, der die politischen Spannungen in Ägypten erhellt.

Zum Auftakt möchte ich auf einen Beitrag von Nate Silver hinweisen, den er vor knapp einem Jahr in seinem Blog veröffentlichte. Silver stellt hier die These vor, nach der Länder mit hohen Öl-Einnahmen, demokratische Reformen länger aufschieben, indem diese Einnahmen eine lockerere Steuerpolitik ermöglichen und im Krisenfall Versorgungsengpässe durch Subventionen (Nahrungsmittel, Treibstoff usw.) ausgeglichen werden könnten. Um diese These zu illustrieren, hat er eine Statistik zusammengestellt, die die Länder Nord-Afrikas und des Mittleren-Osten anhand ihrer Öl-Einnahmen pro Kopf vergleicht. Ägypten liegt mit 32$ pro Kopf deutlich unter dem regionalen Durchschnitt und hat bekanntlich einen starken Demokratisierungsschub erlebt. Der Eigenverbrauch für Öl liegt auf Grund des erheblichen Bevölkerungswachstums mittlerweile über der Förderung, sodass außerdem auf Importe zurückgegriffen werden muss(Vgl. CIA-Factbook). Für ein Öl-armes Land, wie Ägypten, ist die Entwicklung folglich absehbar gewesen.

Silver lässt sich am Ende seines Beitrags zu einer Prognose hinreißen: Libyen, als ein Öl-reiches Land, mit 6.968$ Öl-Einnahmen pro Kopf, würde voraussichtlich nicht Gefahr laufen, in naher Zukunft Demokratisierungsschübe zu erleben. Die Geschichte hat uns eines Besseren belehrt. Das muss die These jedoch nicht grundsätzliche widerlegen. Vielmehr kann das Beispiel Libyen dazu Anlass geben, die interne Struktur jener Öl-Staaten genauer in Betracht zu ziehen, um über die Verteilung der Einnahmen bessere Erkenntnisse zu gewinnen.

 

Tags:Ägypten, Libyen, Nate Silver, Öl, Ressourcenfluch, Revolution, sozioökonmisch
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Ein Blick in die Ferne

Freitag, November 20th, 2009

Ein wunderbares Fundstück beim Kollegen vom Nerdcore-Blog. Bei all den irdischen Schwierigkeiten, würde mich dieser Anblick doch für einiges entschädigen. Der Blick würde in die Ferne des Himmels schweifen und bei aller Schönheit wohlige und befreite Gedanken wecken – nicht gebunden an Raum oder Zeit. Vielleicht kann uns der Klimawandel diesen Anblick bescheren? Ein Ring aus Abfall, der uns erinnert, in welch fragiler Selbstverständlichkeit wir diesen Planeten bewohnen.

Aber vielleicht reicht uns auch schon der Mond, die Sonne oder die Sterne, die uns täglich und selbstverständlich an diese Schönheit erinnern. Wenn wir denn nur einen Augenblick in unserem Trott verweilen und den Blick in die Ferne wandern lassen.

Tags:Erdring, Klimawandel, Kopenhagen
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What if…

Donnerstag, November 12th, 2009

zizek

“What if” – diese Formel ist bezeichnend für einen slowenischen Denker, den ich vor nicht all zu langer Zeit entdeckt habe. Sie zeigt an, dass er sogleich einen weiteren inspirierenden Gedanken bei seiner unorthodoxen Grabung zu Tage fördern wird. Dabei steht alles auf dem Prüfstand, was unserem spätkapitalistischen Moralkomplex Festigkeit verleiht. Er entlarvt unser postideologisches Zeitalter, als eines, ausgeprägtester Ideologie und scheut nicht davor zurück, die alte linke Vision von einer besseren Welt neu zu überprüfen. Die Rede ist von Slavoj Zizek, der dieses Jahr mit “Auf verlorenem Posten” ein lesenswertes Buch vorgelegt hat.

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Tags:Berlusconi, Hegel, kapitalismus, Kommunismus, Krise, Kritik, Lacan, Marx, phliosophie, Slavoj Zizek, Sloterdeijk, SPD
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Gehorche keinem

Donnerstag, Oktober 29th, 2009
CC by Pleatzchen

CC by Pleatzchen

Im beschaulichen Münster kocht zZt. eine nette kleine Debatte hoch. Groß und unverschnörkelt prangen rote Lettern an der Universitätsbibliothek. “Gehorche keinem”, so der gotteslästernde, anarchistische Affront. Zumindest wird er von einigen Münsteranern so verstanden. Knapp die Hälfte der Einwohner zählt sich zum katholischen Glauben und da ist es nicht verwunderlich, dass der ein oder andere genau zu wissen scheint, wem er zu gehorchen hat.

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Tags:Babal Saed, Gehorche keinem, Münster, Studenten, Universität
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